Kritik

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Kritiken "Heimatabend Deluxe":

 

Pizzastudie im Internet

Paul Panzer alias Dieter Tappert mit seinem „Heimatabend Deluxe“ in der Stadthalle

 

Paul Panzer ist Dieter Tappert. Den sich neudeutsch Stand up Comedian nennenden Kölner präsentierte jetzt der KURIER in Bayreuth. Mit seinem (immer noch) aktuellen Programm „Heimatabend Deluxe“ lockte er am Dienstagabend eine riesige Fangemeinde ins Große Haus der Stadthalle. Paul Panzer – hier ist nomen omen. Das Publikum kannte das offensichtlich. Die tobende Begeisterung des Publikums kannte keine Grenzen, begann bereits vor seinem Auftritt. „Heimatabend Deluxe“ – ein völlig irreführender Titel für eine Folge von Gags.

Dazu brauchte Paul Panzer keine geistigen Verrenkungen. Stattdessen hat er einen Sprachfehler. Er benötigt auch keine Angela Merkel. Er hat Hilde, seine Frau und seinen Sohn Bolle. Die Opfer seiner bekanntesten Telefonstreiche sind Dachdeckermeister Benether und Bildhauer Szabo. Seinen Nachbarn („das ist der, der neben mir wohnt“) schenkt er all sein Mitgefühl. Denn dessen Frau Kornikowa, „eine Dauerbombe mit Zündfehler, eine sechsfache Kugelstoßweltmeisterin aus der Ukrazaine“, ist noch schlimmer als Hilde.

An Letzerer nervt ihn am aller meisten ihr Putzwahn. Aber die Tragik der Ehe beginnt bereits in der Hochzeitsnacht.

Überhaupt lässt er kein Klischee aus. Die reiht er dann mit aberwitzigen Überleitungen wild aneinander, dass die Zuhörer Probleme haben, zwischen den Lachsalven ab und zu Luft zu holen.

Ob es um „Internetz“ geht, einem umgebauten Fernseher mit „Taktatur“, der Suchmaschine „Gockel“ und den schockierenden „Sexualitätsseiten“ oder diesen Heini von der amerikanischen Curry-Wurst-Kette, „Brat-Pit“, mit dem das Publikum „konfronzitiert“ wird, ob „Futzball“ oder „Theatzer“ – stets strickt er eine lange „Verketzung“ von unnachahmlichen Unannehmlichkeiten daraus.

Seine Geschichten, die er per Telefon dem Dachdecker oder der Dame von der „Telekomik“ erzählt, bringen den Schwachsinn genauso zum Überkochen wie die Frauen, die aus „Frutzt“ saufen, was aber keiner merkt, weil sie sich danach schminken.

Die Bühne hat er aufgemotzt zu einer gigantischen Rumpelkammer mit verstaubten Umzugkartons, alten Sofas, Schaufensterpuppenteilen, antikem Telefon oder Hirschgeweihen. Bei jeder Bewegung staubt es ordentlich. Der Staubsaugervertreter musste bei ihm vier Tage Probesaugen.

Bei der „Pizzastudie“ indes scheint jener Paul Panzer nicht gerade blendend abgeschnitten zu haben, was ihn geradezu beflügelt. Narrenfreiheit ist die schönst Freiheit.

Paul Panzer gibt es auch als Comicfigur. Eigentlich ist er sowieso eine waschechte Comicfigur, scheinheilig, grotesk und zotig bisweilen. Wobei er sich heuchlerisch die Zoten vom Publikum herbeilachen lässt. Raffiniert!

Nordbayrischer Kurier

 

Ultimativer Comedian

Paul Panzer begeistert im ausverkauften Spectrum

 

Seine bitterbösen Telefonattacken im Radio sind legendär. Mit seinem „Heimatabend Deluxe“ wagte Paul Panzer den nächsten Schritt, ging hinaus auf die Bretter, und etablierte sich hier in kürzester Zeit als Macher der ersten Liga. Dass sein Ruhm durchaus begründet ist, bewies der 1972 in Düren geborene Dieter Tappert mit seiner Show im ausverkauften Spectrum.

Wussten Sie schon, dass Termiten als Haustiere nur bedingt geeignet sind, wenn die Oma ein Holzbein hat? Oder dass Chamäleons nicht immer die Farbe wechseln und beispielsweise auf einem Ceranfeld einfach nur schwarz bleiben – und dabei schrumpfen? Mit überzeugender Naivität wusste Paul Panzer, der neue Star am komödiantischen Himmel, über diese und andere absurde Geschichten zu berichten. Und die Lacher waren zwei ganze Stunden lang auf seiner Seite.

Dabei gab es weder Grimassen noch albernes Gehopse oder obszöne Geräusche, denn einem wahren Comedian reichen die verrückten Geschichten. Gerade der naiv anmutende, gespielt unsensible Umgang mit den inhaltlich knallharten Situationen ließ den Besucher von einem Bauchmuskelkrampf in den nächsten fallen. Von der Angst des Sportschwimmers vor jenen lebenden Minen, die sich als lebensgefährliche Rentner entpuppen, über horrende Rechnungen von der Telekomik bis zum Internetz.

Natürlich durfte Ehefrau Hilde („Ich lebe jetzt im Keller, weil Hilde Angst vor Spinnen hat. Kauf’ ich halt alle drei Tage ein paar neue und setzte sie hier aus.“) und Sohn Bolle ebenso wenig in Panzers Programm fehlen wie jene unglaublichen und eben nicht imaginären, sondern tatsächliche getätigten und aufgezeichneten Telefonate, die den wahren Charakter der Gesprächspartner erbarmungslos entblätterte. Ob Bildhauer Szabo, der mit einer Kettensäge einen drei Meter hohen Eisblock zur mütterlichen Statue machen soll, oder Dachdecker Benether, dessen Ziegel mit der pakistanischen Flagge geziert werden sollen, damit sie „artgerecht verpackt“ als Gastgeschenk an die Nationalelf verschickt werden können: Der Hartnäckigkeit eines Paul Panzer kamen die Opfer – wiederum zur (Schaden-)freude des Publikums – nicht bei. Fazit: Noch selten war ein Komiker so witzig.

Augsburger Allgemeine